Veza Canetti
20. Mai 2027, 19:00
Vortragsreihe "Bühnenautoren im Spiegel der Zeit" im Palais im Stadtpark
Referent: Peter Glotz
Der Theaterregisseur Peter Glotz stellt namhafte Autorinnen und Autoren der Theatergeschichte vor, deren Stücke und Figuren entscheidende gesellschaftliche und politische Entwicklungen widerspiegeln. In Szenenausschnitten und Interviews lässt er die Bühnenautoren selbst zu Wort kommen. Alle Interessierten, auch Schüler und Studenten, sind herzlich eingeladen! Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
Österreichische Schriftstellerin, Dramatikerin und Übersetzerin
Veza Canetti, geboren als Venetiana Taubner-Calderon, kam am 21. November 1897 in Wien zur Welt. Sie wuchs in der Wiener Leopoldstadt auf und entwickelte bereits früh eine besondere Begabung für Sprache und Literatur. Als Englischlehrerin und Übersetzerin tätig, begegnete sie 1924 dem späteren Literaturnobelpreisträger Elias Canetti, den sie 1934 heiratete.
In den 1930er-Jahren veröffentlichte Veza Canetti Erzählungen in der Wiener Arbeiter-Zeitung, teilweise unter verschiedenen Pseudonymen. Ihre literarischen Arbeiten waren geprägt von einem ausgeprägten sozialen Bewusstsein und einem scharfen Blick für gesellschaftliche Ungerechtigkeiten. Mit großer Sensibilität und zugleich schonungsloser Genauigkeit schilderte sie das Leben von Menschen am Rande der Gesellschaft, insbesondere die Lebenswirklichkeit von Frauen.
1938 musste sie gemeinsam mit ihrem Mann vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach England fliehen. Die Erfahrung von Ausgrenzung, politischer Bedrohung und Exil hinterließ deutliche Spuren in ihrem literarischen Schaffen.
Obwohl Veza Canetti bereits zu Lebzeiten eine eigenständige literarische Stimme entwickelte, blieb ihr Werk lange Zeit weitgehend unbekannt. Erst Jahrzehnte nach ihrem Tod wurde es wiederentdeckt und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu ihren bekanntesten Veröffentlichungen zählen Die gelbe Straße (1990) und der Roman Die Schildkröten (1999), der die Erfahrungen rund um die Flucht aus Österreich im Jahr 1938 thematisiert.
Heute gilt Veza Canetti als bedeutende, lange unterschätzte Stimme der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Ihre Werke beeindrucken durch ihre sprachliche Ausdruckskraft, ihre gesellschaftskritische Haltung und ihre tiefe Menschlichkeit.
Veranstaltungsort:
Ab sofort finden die Vorträge bis auf Weiteres im Georg-Haberl-Saal im Erdgeschoss statt.
Zugang über den Eingang am Stadtpark 22
NEWSLETTER
Abonnieren Sie hier den Newsletter und wir werden Sie sehr gern regelmäßig über alle Veranstaltungen informieren.