Der Naumburger Meister – Werk und Mythos
03. Februar 2027, 19:00
Vortragsreihe zur europäischen Kunstgeschichte im Palais im Stadtpark
Referent: Dr. Stefan Schmitt
Der Naumburger Meister ist für uns ein Anonymus, aber ein berühmter. Die französische Gotik hatte er vor Ort studiert und dann brachte er deren epochale Neuerungen ins Deutsche Reich. Sein Weg führte ihn über Mainz nach Naumburg, wo er die weltberühmten Figuren des Stifterchors sowie den grandiosen Westlettner schuf. Nie zuvor waren in der deutschen Kunst Naturalismus und Psychologisierung der Figuren so weit getrieben worden. Er beherrschte alle Facetten der Erzählkunst von der Idealisierung bis zum schonungslosen Realismus. Seine „Uta von Naumburg“ gilt vielen Kennern wie zum Beispiel Umberto Eco als die schönste Frau des Mittelalters. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde er zum deutschen Nationalmythos verklärt – eine Entwicklung, die im weiteren Verlauf ahistorische und wahnhafte Züge annahm. Die völkische Vergewaltigung seitens der NS-Kulturideologie schadet seinem Ansehen aber längst nicht mehr, denn er war schlicht einer der größten Künstler des Mittelalters.
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